Vor einiger Zeit haben sich Leser*innen von uns gewünscht, ein Interview mit Eyyüb Yasar zu führen. Er spielt Fußball in der Profimannschaft von Arminia Bielefeld. So haben wir angefangen, uns Fragen zu überlegen. Wir sammelten ganz viele Fragen und einigten uns anschließend gemeinsam auf die besten, denn diesmal haben wir mit etwas Offiziellem zu tun und waren ganz aufgeregt. Wir warteten darauf, von Arminia eine Zusage zum Interview zu bekommen, sendeten unsere Fragen und schon hatten wir unser Interview. Das ist für uns auch etwas Besonderes, da wir diesmal das Interview nicht selbst geführt haben, sondern die Fragen einsendeten. So haben wir auch gelernt, dass es im Profibereich verschiedene Wege gibt, die Pressearbeit zu gestalten. – Wir wünschen allen eine gute Lektüre des Interviews.
Zunächst wollten wir es ein für alle Mal klären: Kannst du Abseits für diejeinigen erklären, die sich mit Fußball nicht gut auskennen?
Der Mitspieler, den ich anspielen möchte, darf beim Pass nicht der letzte Spieler vor dem Torwart sein. Zwischen ihm und dem Tor müssen sich mindestens zwei Gegenspieler befinden. Eigentlich ganz einfach.
Im Anschluss blicken wir einmal auf Eyyübs Anfänge und seinen Alltag beim Fußball.
Wie bist du überhaupt zum Fußball gekommen?
Ich habe mit vier Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Meine Eltern haben mich damals bei meinem Heimatverein in Senne angemeldet. Ich hatte Spaß daran, mit meinen Freunden zu trainieren und einfach Fußball zu spielen. So habe ich meine Liebe zum Fußball entdeckt. In der U10 folgte dann der Wechsel zu Arminia.
Was motiviert dich am meisten?
Meine größte Motivation ist es, meine Eltern stolz zu machen. Außerdem ist es natürlich der Traum vieler kleiner Jungen, Fußballprofi zu werden und mit dem Sport, den man liebt, später vielleicht sogar seinen Lebensunterhalt verdienen zu können.
Wie sieht ein typischer Trainingstag in der Profimannschaft aus?
Morgens um 9 Uhr frühstücken wir gemeinsam als Mannschaft in der Kantine am Trainingsgelände. Anschließend stehen unterschiedliche Testungen, zum Beispiel Kraft- oder Sprungtests, auf dem Programm. Danach haben wir etwas Pause. Oft folgen noch Videoanalysen, bevor wir etwa eine halbe Stunde vor dem Training eine Aktivierung, also eine Art Aufwärmen, im Kraftraum machen. Anschließend trainieren wir rund zwei Stunden auf dem Platz. Danach folgt häufig noch eine weitere Einheit im Kraftraum. Danach gehen wir duschen und gemeinsam Mittagessen.
Hast du bestimmte Routinen vor einem Spiel?
Vor Spielen höre ich meistens Musik, ganz unterschiedliche Richtungen. Außerdem bete ich oft und bitte Gott darum, mir Kraft zu geben und mich zu unterstützen. Das gibt mir zusätzliches Selbstvertrauen und Energie für das Spiel.
Und wie sieht er seine Mannschaft? Wir fragten nach:
Was hältst du von deiner Mannschaft?
Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Als ich zum ersten Mal bei den Profis dabei war, war ich von der Qualität beeindruckt. Das Passspiel und die Ballannahmen sind auf einem sehr hohen Niveau, ganz anders als in der Jugend. Daran musste ich mich zunächst gewöhnen. Wenn man mit besseren Spielern trainiert, spielt man meistens aber auch selbst besser.
Was würdest du an deiner Mannschaft verbessern wollen?
Verbessern würde ich eigentlich nichts. Für mich persönlich wäre es vielleicht noch schöner, wenn mehr Jungs in meinem Alter dabei wären. Mit Daniel Richter habe ich aber einen meiner besten Freunde in der Mannschaft. Wir haben gemeinsam die Jugend bei Arminia durchlaufen. Ansonsten ist die Mannschaft wirklich top, sowohl spielerisch als auch menschlich.
Was schätzt du an Arminia am meisten?
Besonders schätze ich die Menschen hier. Alle sind sehr herzlich und das Umfeld ist top. Ich verstehe mich mit jedem sehr gut. Außerdem bin ich gebürtiger Bielefelder. Wenn man aus dieser Region kommt, ist Arminia der Verein, von dem man träumt. Schon als Kind wollte ich einmal für Arminia spielen.
Erkläre uns bitte einmal, wie viele Mannschaften es bei Arminia eigentlich gibt.
Bei Arminia gibt es Mannschaften von der U10 bis zur U19, danach kommt abschließend die U21. Ich selbst bin seit der U10 beim DSC und habe alle Stationen durchlaufen. An meine ersten Jahre kann ich mich noch gut erinnern. Wenn man von einem kleineren Heimatverein zu Arminia kommt, ist das schon etwas Besonderes. Ich habe hier nicht nur fußballerisch viel gelernt, sondern auch wichtige Werte wie Respekt, Disziplin und Teamgeist vermittelt bekommen. Das sind Eigenschaften, die meiner Meinung nach sehr wichtig sind.
Außerdem interessierte es uns, wie Eyyüb mit dem Fußball, dem Alltag von Schule sowie dem Privatleben umgeht. Das sind ja viele Dinge, die alle parallel stattfinden. Hier sind seine Antworten:
Was bedeutet es für dich, in der Profimannschaft zu sein?
Eigentlich bedeutet mir das alles. Als ich in der U10 bei Arminia angefangen habe, konnte ich davon nur träumen. Es ist sehr cool, dass der Traum jetzt Realität geworden ist.
Wie regelst du deinen Alltag bei all den Aufgaben?
Mein Alltag ist ziemlich strukturiert. Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken, was alles ansteht, sondern die Aufgaben einfach zu machen. Wenn man sich zu viele Gedanken macht, wird vieles nur komplizierter. Wichtig ist, die freie Zeit, die man hat, sinnvoll zu nutzen, zum Beispiel für die Schule. Auch wenn das manchmal schwerfällt, weil ich nach dem Training oft müde bin, gehört das einfach dazu.
Wurdest du schon einmal in der Schule nach einem Autogramm gefragt?
Ja, tatsächlich schon. Das war schon ein cooles Gefühl. Einmal kamen fünf oder sechs Kinder auf mich zu und wollten ein Autogramm und ein Foto. Da denkt man schon kurz: „Krass, die kennen mich wirklich.“
Wie gehst du mit Verletzungen um?
Bis jetzt hatte ich zum Glück noch keine schwerwiegende Verletzung. Trotzdem weiß ich, dass Verletzungen für jeden Fußballer eine schwierige Zeit sind. Ich glaube aber, dass man oft stärker zurückkommt. Entscheidend ist der innere Wille. Er treibt einen an und hilft dabei, Rückschläge zu überwinden. Am Ende liegt es an einem selbst, wie ehrgeizig man ist und wie hart man arbeitet. Man sollte versuchen, aus jeder Situation das Beste zu machen, denn manche Dinge kann man ohnehin nicht ändern.
Hast du Tipps für Fußballanfänger?
Das Wichtigste ist, Spaß am Fußball zu haben. Wenn einem Fußball keinen Spaß macht, ist es eigentlich egal, wie talentiert man ist. Mein Tipp ist: Spielt einfach, denkt nicht zu viel nach und habt Spaß dabei. Wenn ihr merkt, dass es euch gefällt, ist es vielleicht der richtige Weg, mehr Zeit zu investieren.
Wie steht deine Familie zu deinem Erfolg und den Herausforderungen?
Mein Debüt gegen Hertha beschreibt das eigentlich am besten. Mein Vater und mein Bruder waren damals im Olympiastadion dabei. Nach dem Spiel bin ich zu ihnen gegangen und beide hatten Tränen in den Augen. Da habe ich zum ersten Mal richtig realisiert, dass ich meine Familie stolz gemacht habe. Ich hoffe, dass sich solche Momente wiederholen werden.
Und natürlich dürfen Fragen nach den Vorbildern und liebsten Gegnern nicht fehlen.
Gegen welchen Spieler oder gegen welche Mannschaft möchtest du einmal am liebsten spielen?
Ich würde gerne einmal gegen Neymar spielen. Er ist einer der Gründe, warum ich überhaupt mit Fußball angefangen habe. Als Kind fand ich es unglaublich, was er am Ball kann. Und wenn ich mir eine Mannschaft aussuchen dürfte, dann wäre das Real Madrid im Santiago Bernabéu.
Hast du ein Vorbild im Fußball?
Von der Mentalität her ist Cristiano Ronaldo ein großes Vorbild für mich. Sein Ehrgeiz ist schon beeindruckend. Fußballerisch schaue ich mir gerne Spieler wie Rayan Cherki an. Was er am Ball macht, ist einfach unglaublich. Generell versuche ich, mir von den besten Mittelfeldspielern der Welt etwas abzuschauen. Gerade bei Spielen wie dem Champions-League-Finale kann man technisch und taktisch eine Menge lernen.
Wir wünschen Eyyüb viel Erfolg auf seinem Weg als Profifußballer und bedanken uns bei Arminia Bielefeld für das Interview. Bis bald auf der Alm!






