Die Olympische Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo sind seit dem 22. Februar vorbei, aber besonders das Eiskunstlaufen wird mir noch lange im Kopf bleiben. Vom 4. bis 22. Februar haben sich über 2.500 Athlet*innen aus mehr als 90 Ländern gemessen, und gerade im Eiskunstlauf lagen Triumph und Enttäuschung extrem nah beieinander.
Ein zentrales Thema war der enorme Druck auf Ilia Malinin. Er galt vor den Spielen als klarer Favorit im Herren-Einzel, vor allem wegen seiner technischen Fähigkeiten und seiner extrem schwierigen Quad-Sprünge. Nach starken Auftritten im Teamwettbewerb, bei dem die USA Gold holten, richteten sich im Einzel alle Augen auf ihn. Doch genau dieser Erwartungsdruck wurde ihm zum Verhängnis. In der Kür unterliefen ihm mehrere Fehler, er wirkte angespannt und nicht so frei wie sonst. Am Ende reichte es nur für Platz acht, eine riesige Überraschung und für ihn persönlich sicher eine große Enttäuschung. In Interviews sprach er offen darüber, wie sehr ihn die Erwartungen belastet haben. Man hat gemerkt, selbst absolute Ausnahmetalente sind nicht unverwundbar. Der mentale Druck bei Olympia ist brutal, Millionen Menschen schauen zu, und ein einziger Fehler kann alles verändern.
Ganz anders verlief es bei Alysa Liu. Sie krönte sich im Damen-Einzel zur Olympiasiegerin und beendete damit eine lange Gold-Durststrecke für die USA. Besonders beeindruckend war nicht nur ihre Technik, sondern auch ihre Ausstrahlung. Ihre Programme wirkten selbstbewusst, modern und gleichzeitig emotional. Liu steht für eine neue Generation im Eiskunstlauf, sportlich auf höchstem Niveau, aber musikalisch offen für moderne Einflüsse.
Spannend ist auch die Verbindung zur Musik: Liu ist bekennender Fan der isländisch-chinesischen Sängerin Laufey. Bei einem ihrer Konzerte erhielt Alysa sogar eine „Best Dressed“-Krone, und Laufey selbst hat mehrfach gezeigt, dass sie ein großer Fan von Alysa ist. Diese Verbindung zwischen Popkultur und Spitzensport macht Eiskunstlaufen für viele junge Menschen noch interessanter. Es geht nicht mehr nur um klassische Stücke, sondern auch um moderne Emotionen, Identität und Persönlichkeit.
Für mich war das Ganze noch besonderer, weil ich am Donnerstag, den 19., auf einem Laufey-Konzert in Düsseldorf war, und genau an diesem Tag gewann Alysa Liu olympisches Gold. Während ich also in der Halle stand und die Musik live erlebt habe, schrieb sie gleichzeitig Sportgeschichte. Dieser Gedanke hat den Abend für mich irgendwie noch schöner gemacht. Es zeigt, wie Sport und Musik manchmal auf unerwartete Weise zusammenhängen.
Natürlich gab es auch andere Highlights, zum Beispiel das starke Auftreten der japanischen Herren. Yuma Kagiyama begeisterte mit einem unglaublich stimmungsvollen Programm in der Kür. Er war mein persönlicher Favorit, weil sein Auftritt nicht nur technisch stark war, sondern auch emotional total mitgerissen hat. Man hat gespürt, dass er jeden Moment auf dem Eis genießt. Zusammen mit seinem Teamkollegen Shun Satō sorgte er dafür, dass Japan im Herren-Wettbewerb ganz vorne mitmischte.
Insgesamt haben die Winterspiele 2026 gezeigt, wie eng Erfolg und Druck, Glanz und Zweifel beieinanderliegen. Es gab Tränen der Freude und Tränen der Enttäuschung, riskante Programme, mutige Musikauswahlen und echte Gänsehautmomente. Für mich bleiben besonders drei Dinge hängen, der enorme mentale Kampf von Ilia Malinin, der historische Goldmoment von Alysa Liu, und Yuma Kagiyamas unglaubliche Stimmung in der Kür. Und irgendwie auch der Gedanke, dass während ich bei Laufey im Publikum stand, gleichzeitig olympische Geschichte geschrieben wurde.
Quellen:
https://www.olympics.com/de/milano-cortina-2026 (letzter Aufruf 25.Feb)
https://www.ardmediathek.de/video/sportschau-olympia-2026/deutschlands-medaillen-helden-2026/das-erste/Y3JpZDovL3Nwb3J0c2NoYXUuZGUvOWI1NDU0OGMtYjQzZi00MTFkLWI3NDctZGEzNDIwYjQ1NDli (letzter Aufruf 25.Feb)
