In der Wissenschaft wird das Phänomen, sich der Mehrheit anzupassen, als Gruppenzwang bezeichnet. Es beschreibt den Einfluss von Freunden oder Mitschülern auf eine einzelne Person, das eigene Verhalten oder die eigene Meinung zu verändern. Das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit ist angeboren und völlig normal. Untersuchungen zeigen jedoch, dass direkter Druck, wie Drohungen, seltener vorkommt, als man denkt. Meistens wirkt der Druck subtil: Es fordert schlicht Mut, einer anderen Meinung zu sein als alle anderen. Doch wie wird diese Dynamik im Schulalltag wahrgenommen? Ich habe Schülerinnen und Schüler nach ihren persönlichen Erfahrungen gefragt.
Ich habe zehn Schüler:Innen von der fünften Klasse bis zur Oberstufe (EF) zwei konkrete Fragen gestellt.
Frage 1: Gekauft oder getan, nur um dazuzugehören?
Die große Mehrheit (acht von zehn) gab an, noch nie etwas in diesem Sinne für die Gruppe getan zu haben. Dennoch gab es Ausnahmen: Ein Schüler (Jahrgang 5) kaufte sich bestimmte Fußballkarten und eine Schülerin (Jahrgang 7) kaufte sich ein bestimmtes Handy, um dazuzugehören.
Frage 2: Warum ist „Nein“-Sagen in der Schule so schwer?
Die Hauptgründe der Befragten lassen sich in drei Gruppen einteilen:
Angst vor Spott: In zwei der Klassen und in der EF wird die Angst genannt, ausgelacht zu werden oder schlechte Kommentare zu bekommen.
Angst vor Einsamkeit: Befragte aus zwei anderen Klassen sorgen sich davor, allein zu sein, ausgeschlossen oder nicht mehr gemocht werden.
Innere Gründe: Ein Neuntklässler sieht die Ursache in fehlendem Selbstbewusstsein. Eine Schülerin aus Jahrgang 5 möchte andere nicht verletzen, während eine andere Person betont, dass es immer auf die Situation ankommt.
Die Interviews verdeutlichen, dass Gruppenzwang an unserer Schule eine reale Rolle spielt. Die Psychologie zeigt jedoch auch, dass das Anpassen in der Jugendzeit eine wichtige Funktion hat, um feste Freundschaften aufzubauen. Problematisch wird es erst dann, wenn das eigene Wohlbefinden oder die eigenen Werte für die Gruppe aufgegeben werden. Ein gesundes soziales Umfeld zeichnet sich dadurch aus, dass es andere Meinungen akzeptiert. Die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten „Nein“ zu sagen und Grenzen zu setzen, bleibt damit eine der wichtigsten Eigenschaften für ein selbstbestimmtes Leben.
Milla
Quellen:
- bpg.de
- schulpsychologie.at
- buisnessinsider.de
- positivepsychologie.com
- wikipedia.org
- praxisluebberding.de

