Poetry Slams: Worte, die bewegen

Poetry Slams: Worte, die bewegen

Im Darstellenden Spiel-Kurs der neunten Klassen haben die Schülerinnen eigene Poetry Slams zu einem beliebigen Thema erstellt. Ein Poetry Slam ist eine besondere Form eines Gedichts, in dem ein selbstgewähltes Thema mit persönlichen Erfahrungen, Gefühlen und Gedanken behandelt wird. Die Texte können politisch, lustig aber auch emotional sein. Sie sollen zum Nachdenken anregen und die Emotionen herüberbringen.

Aus allen Poetry Slams haben wir drei Stück ausgewählt, die besonders überzeugt haben. Ihre Themen berühren, und die persönlichen Gefühle dahinter sind deutlich zu spüren. Diese drei wollen wir nun hier, in der Schülerzeitung, veröffentlichen.


Ein Morgen wie jeder andere für mich.

Ich bin in der  Schule – bin fröhlich

Ich denke nicht mal negativ.

Eigentlich sollte ich nun zuhause sitzen,

Hausaufgaben machen, lernen, vielleicht mich

Noch mit Freunden treffen.

Doch stattdessen bin ich hier und muss mich mit Menschen treffen.

Menschen, die weinen und schreien, Menschen die mich versuchen zu trösten

Menschen, die mich umarmen, die mir  ihr Beileid aussprechen.

Doch ich möchte mich nicht jetzt gespächen. (Ich will das Alles einfach nicht.)

Es bricht mir das Herz, nun zu wissen, dass es nicht nur Wände sind, die uns trennen.

Dass es nicht nur Landesgrenzen sind, die uns trennen –

Es ist das Leben selbst.

Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich genau daran, wie wir als ich  noch ein kleines Mädchen war,  die Enten im Teich fütterten.

Wie ich mich über deine weißen Haare lustig machte und du dann immer sauer wurdest.

Wie alle meine Verwandten sagten:,, Sen dedenin kizi sin ´´- was so viel bedeutet wie:

,,Du kommst ganz nach deinem Opa, du bist sein Mädchen. ´´

Wie mir jeder erzählte, dass ich das Laufen durch dich gelernt habe.

Mein erstes Wort war ,,Dede ´´- also Opa

Für dich ist dein Morgen anders als meiner.

Vielleicht ist es für dich eine Art Erlösung, ein Ende des Leidens, oder vielleicht etwas komplett anderes.

Wir werden es wohl nie genau wissen.

Das Einzige, was ich wirklich weiß, ist: Es ist schon ein Jahr her.

Ich frage mich, warum ausgerechnet du. Den Mann, für den ich immer ein extra Platz in meinem Herzen hatte.

Der, den  ich noch nicht bereit war, endgültig loszulassen.

Dann frage ich mich, wann wäre ich denn je bereit gewesen…Wahrscheinlich nie 

Dann denke ich mir:,, Es ist okay, Damla. Es ist halt jeder Manns Ende.

Wir halten bestimmt trotzdem gegenseitig unsere Hände.

Damla K. 9b


,,Ein Platz am Tisch bleibt leer‘‘

Verlust: Ein Wort, das man erst versteht, wenn es passiert.

Eben war das Leben noch laut, und im nächsten Moment ist da nur noch Stille.

Von Heute auf morgen lernt man, alleine zu leben.

Nicht, weil da niemand ist. Das Handy vibriert, von Leute die Nachrichten schreiben.

Aber die eine Nachricht, auf die ich warte, kommt nicht mehr.

Ein Teil von mir ist einfach offline.

Die Welt dreht sich weiter, aber meine Zeit bleibt stehen.

Die Leute sagen:

„Der Tod ist natürlich“ „Das gehört zum Leben“

Aber um ehrlich zu sein, gibt es nichts, dass sich natürlich anfühlt.

Man redet vom Paradies, von einem Ort ohne Schmerzen

Vielleicht stimmt das auch.

Das ist kein „Circle of Life“ sondern ein Systemfehler.

Man fühlt sich müde im Kopf, manchmal auch sogar kaputt.

Ich denke an Dinge, die ich noch sagen wollte.

An Momente, die nie kommen werden.

Abschied ist kein einzelner Moment.

Es ist ein Weg, ein Weg, den man jeden Tag geht.

Der Platz am Tisch bleibt leer.

Es tut weh, aber er zeigt auch:

Da war jemand.

Der Schmerz bleibt, aber ich lerne, mit ihm weiter zu leben.

Dalia T. 9b


„Das Minimum“

Wir leben in einer Welt,

in der Freiheit versprochen,

aber für Frauen portioniert wird.

Wie Essen auf den Teller,

den jemand anderes kontrolliert.

Zieh dich nicht so an.

Sei nicht so laut.

Lächle mehr.

Frag nicht so viel.

Und wenn wir doch fragen,

wenn wir erzählen,

wenn wir uns weigern, leise zu sein,

nennt man uns übertrieben,

hysterisch,

zu viel.

Ich stehe hier,

nicht nur als Mädchen,

nicht nur als Frau,

sondern als Mensch

mit Rechten.

Rechten

die nicht diskutiert werden sollten.

Frauenrechte sind keine Sonderwünsche,

kein Luxus,

kein ,,Bonuslevel der Menschlichkeit“

Sie sind Grundrechte.

Trotzdessen werden sie uns verweigert.

ICH habe es hier vielleicht leichter, habe die Möglichkeit hier, 

vor euch zu stehen, 

aber ein jenes Mädchen aus dem Iran, Afghanistan, dem Jemen

oder Somalia hat diese nicht.

Deshalb spreche ich, weil sie es nicht können,

weil Schweigen zur Normalität wird. Ich spreche,

für die Stimmen, die unterdrückt werden.

Für die Träume, die verboten sind.

Für die Mädchen, die lernen mussten,

Sich klein zu machen, damit andere sich groß fühlen.

Frauenrechte sind kein Ziel in weiter Ferne.

Sie sind das Minimum.

Das Minimum an Würde,

an Sicherheit, an Menschlichkeit.

Wir hören nicht auf,

zu fragen,

zu fordern,

zu hoffen.

Denn solange eine Frau gefangen ist, ist niemand von uns frei.

Hilal K. 9c

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert