In Deutschland leben rund 7,8 Millionen Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung, das sind etwa 9,4 Prozent der Bevölkerung, und für viele von ihnen ist die Eingliederungshilfe nach dem Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, kurz SGB IX, die wichtigste Unterstützung, die sie haben, denn dieses Gesetz regelt, dass Menschen mit Behinderung die Hilfe bekommen müssen, die sie brauchen, um gleichberechtigt am Leben teilzunehmen, also Assistenz in der Schule, Hilfe beim Wohnen, Unterstützung am Arbeitsplatz, Begleitung in der Freizeit und vieles mehr, was für andere selbstverständlich ist, aber für sie ohne Unterstützung unmöglich wäre. Seit Monaten wird jedoch darüber diskutiert, die Kosten dieser Eingliederungshilfe zu kürzen, und diese Diskussion macht vielen Betroffenen große Angst, weil sie nicht wissen, ob sie in Zukunft noch genug Unterstützung bekommen, um selbstbestimmt leben zu können, und ob ihre Kinder in der Schule weiterhin die Hilfe erhalten, die sie brauchen. Viele Menschen können sich kaum vorstellen, was solche Kürzungen im Alltag bedeuten würden, aber ein Beispiel zeigt es sehr deutlich, denn wenn eine Schule nur noch eine einzige Begleitung für mehrere Kinder bekommt, dann entsteht eine gefährliche Situation, zum Beispiel wenn ein Kind mit Autismus in einer sehr lauten Pause überfordert ist und plötzlich wegrennt, vielleicht sogar auf die Straße, und die Begleitung sofort hinterher muss, gleichzeitig aber ein anderes Kind sich übergibt und dringend Hilfe braucht, während ein drittes Kind mit Epilepsie auf keinen Fall allein gelassen werden darf, weil ein Anfall jederzeit auftreten kann, und in diesem Moment wird klar, dass eine einzige Begleitung niemals drei Kinder gleichzeitig schützen kann, und dass Kürzungen nicht nur unpraktisch sind, sondern lebensgefährlich. Barrierefreiheit ist ebenfalls ein Bereich, in dem Kürzungen sofort spürbar wären, denn viele Bushaltestellen haben keine abgesenkten Bordsteine, sodass Menschen im Rollstuhl nicht einsteigen können, viele Busse haben Rampen, die nicht funktionieren, viele Schulen haben keine Aufzüge, viele Gehwege sind voller Schlaglöcher, die für Menschen mit Rollatoren gefährlich sind, und viele Webseiten sind für blinde Menschen nicht lesbar, und all diese Barrieren führen dazu, dass Menschen mit Behinderung ausgeschlossen werden, obwohl sie ein Recht darauf haben, überall dabei zu sein. Unsere Schule ist eine Schule ohne Rassismus Schule mit Courage, und das bedeutet, dass wir uns nicht nur gegen Rassismus einsetzen, sondern gegen jede Form von Ausgrenzung, also auch gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung, und Courage heißt, dass wir nicht wegsehen, wenn jemand benachteiligt wird, sondern dass wir uns einsetzen, helfen und respektvoll miteinander umgehen. Niemand sucht sich eine Behinderung aus, niemand entscheidet sich freiwillig dafür, auf einen Rollstuhl, einen Blindenstock oder Assistenz angewiesen zu sein, und jede Person kann von heute auf morgen selbst betroffen sein, denn ein Unfall, eine Krankheit oder ein Sturz können das Leben komplett verändern, und deshalb sollten wir Menschen mit Behinderung niemals auslachen oder abwerten, sondern sie so behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen, wenn wir einmal Hilfe brauchen. Wenn wir zulassen, dass an der Unterstützung für Menschen mit Behinderung gespart wird, dann sparen wir nicht an Geld, sondern an Menschenrechten, an Würde und an Gleichberechtigung, und eine Gesellschaft zeigt sich nicht daran, wie sie mit den Stärksten umgeht, sondern wie sie die schützt, die Unterstützung brauchen, und deshalb müssen wir laut sein, bevor andere leise gemacht werden, wir müssen solidarisch sein, bevor Menschen unsichtbar werden, und wir müssen handeln, bevor Teilhabe zur Ausnahme wird, denn Teilhabe hat ihren Preis, Ausgrenzung auch, und sie ist unendlich viel höher, und es liegt an uns, ob wir eine Gesellschaft der Barrieren oder eine Gesellschaft der Menschlichkeit sein wollen.
Quellen:
Statistisches Bundesamt, Zahlen zu Schwerbehinderung (letzter Aufruf: 05.06.2026)
Deutsches Institut für Menschenrechte, Studien zur Teilhabe (letzter Aufruf: 05.06.2026)
Aktion Mensch, Studie 2024 zur Lebenssituation von Menschen mit Behinderung (letzter Aufruf: 05.06.2026)
UN‑Behindertenrechtskonvention, Artikel 19 (letzter Aufruf: 05.06.2026)
Sozialgesetzbuch IX, Eingliederungshilfe (letzter Aufruf: 05.06.2026)
